US Trends und ihre Bedeutung für den deutschen Markt

Wissen, Tipps & Tricks | 12.02.2010 | marcus@softmixx | (0) Kommentare

Bereits in den 1990ern entstand in den USA ein erster Markt für Software as a Service (SaaS), der sich bis zur Jahrtausendwende spürbar

vergrößerte, befeuert vor allem vom allgemeinen Internet- und New-Economy-Hype. Mit dem Versiegen der Risikokapitalquellen verschwanden auch zahlreiche Firmen, die vom Hype profitieren wollten. Mittlerweile ist SaaS jedoch wieder ein Boomthema, und das hat gute Gründe: abgesehen von der notwendigen Verbreitung und Akzeptanz von Computern und Netzwerken sprechen vor allem Flexibilität, Kostenkontrolle, Zuverlässigkeit, zunehmende Standardisierung von Tools und Aufgaben sowie extrinsische Entwicklungen im Businessbereich wie Dynamisierung und Projektorientierung der Arbeitswelt für SaaS.

Laut den Analysten von Gartner steigt der SaaS-Umsatz bereits in diesem Jahr auf neun Milliarden US-Dollar, während 2013 bereits mit einem Umsatz von 16 Milliarden US-Dollar zu rechnen ist. Für einen Trend, der erst in den letzten fünf Jahren signifikant geworden ist, ist das in Krisenzeiten wahrlich keine schlechte Prognose, wobei interessanterweise die gerade weltweite Wirtschaftskrise für Firmen- wie Privatkunden ein starker Antrieb für die Wahl von SaaS sein dürfte, denn mehr denn je stehen nun die umfangreichen Anfangskosten für Hard- und Software in vielen Arbeitsumgebungen auf dem Prüfstand. Diese können durch den gezielten Einsatz von SaaS auf ein überschaubares Miet-Maß reduziert werden.

Deutschland hinkt jedoch noch hinterher, was die Marktentwicklung von SaaS angeht, so daß auch in diesem Falle die USA in vielen Punkten als Trendsetter von besonderem Interesse sind. Es wird somit sowohl an dieser Stelle als auch in den kommenden Monaten besonders spannend sein, von Zeit zu Zeit die US-Entwicklungen zu beleuchten und ihre Bedeutung für deutsche User darzustellen. Dabei ist anzumerken, daß es nicht nur um einzelne amerikanische Tools geht, die auch für deutsche Anwender interessant sein könnten, sondern explizit auch Strömungen und Tendenzen eine hilfreiche Darstellung dessen liefern sollen, was uns in Zukunft wohl erwarten wird.

SaaS erhält derzeit nicht nur durch neue Tools und intensives Marketing Unterstützung, sondern auch durch digitale Entwicklungen. So wird zum Beispiel der allgemeine Trend zu Mobilität und Vernetzung weiter stark voranschreiten, wie beispielsweise iPhone und Netbooks gegenwärtig eindrucksvoll aufzeigen. 

Zusammen mit den geringeren Ressourcen des mobilen Computings und der gleichzeitigen Usertendenz zu „Always on“ und mobilen Flatrates wird dieser Trend die Akzeptanz und Nutzung von SaaS auch in Deutschland spürbar unterstützen. Immer besser können auch Verbindungen zu sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook und bestehenden On-Premise-Lösungen hergestellt werden, was die Attraktivität der angebotenen Software vor allem für die Anwender weiter steigern dürfte.

Die größte Bedeutung wird trendtechnisch jedoch weiterhin der Software beigemessen, die direkt für die Erstellung von digitalem Content genutzt wird. Webbasierte Angebote wie Google Apps, Adobe Buzzword , ThinkFree und Zoho werden ein nicht gerade kleines Stück vom Softwarekuchen beanspruchen und klassische Client-Softwaremodelle zunehmend stärker in Bedrängnis bringen können. Auch in Deutschland stehen vor allem Office-Programme im Mittelpunkt. SaaS-Klassiker wie Content Management Systeme (CMS) und Customer-Relationship-Provider wie Salesforce  werden weiterhin eine besonders große Rolle spielen.

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Wer aus den Erfahrungen in den USA lernt, kann sich als deutscher Anwender viele Probleme und Anlaufschwierigkeiten sparen. Trotz aller positiven Marktsignale sollte man beispielsweise stets genau hinschauen, denn nicht überall, wo SaaS draufsteht, ist auch SaaS drin: Alle möglichen Produkte werden nun unter dem Boomlabel beworben, obwohl es sich in vielen Fällen streng genommen nicht um SaaS handelt.

Schnell stellt sich auch die Frage nach dem inhaltlichen Vorteil gegenüber etablierter Standardsoftware, ebenso die Frage nach den Kosten für bereits angeschaffte Software. Wer sich für Office, iWork oder ein anderes Paket entschieden hat, überlegt sich freilich zweimal, ob er erneut Geld für Google Apps ausgeben möchte und damit auch einen inhaltlichen Vorteil erwirbt.

Kostenlose Angebote wie Office Live und Testversionen wie das 30-Tage-Angebot von Google Apps verschaffen hier Klarheit und ermöglichen eine individuelle Entscheidung für oder gegen SaaS-Angebote.

Probleme gibt es häufig, so Gartner, mit den Anbietern: In der aktuellen SaaS-Erhebung stellte man fest, daß die Bereitstellung und die Leistungsfähigkeit der Dienste teilweise deutlich zu wünschen übrig lassen.

Man sollte sich somit zuerst Gedanken über die eigenen Bedürfnisse und Notwendigkeiten machen und dann die Angebote daraufhin genau überprüfen. Wenn die Sprache kein Hindernis ist und auch die Zahlungsmodalitäten geklärt werden können, können auch deutsche User bereits einige US-Angebote nutzen.

Ob dies praktikabel ist, muß allerdings jeder für sich selbst entscheiden. Auch stellt sich bei netzintensiven Projekten schnell die Frage, wie sinnvoll es ist, ständig eine Datenverbindung in die USA aufrechtzuerhalten. Bei kleineren Datenmengen mögen Angebote wie Amazon Web Services durchaus Sinn machen.

Geht es volumentechnisch jedoch ans Eingemachte, empfiehlt sich eine Leistungsprüfung vor Abschluß langfristiger Bindungen. Last, but not least: Auch wenn viele US-Unternehmen ihre Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Service weitgehend abgehakt haben, ist und bleibt die Sicherheitsfrage von hoher - auch emotionaler - Relevanz, die für die traditionell vorsichtigen deutschen Anwender entscheidend ist.

Auch hier wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit eine immer stärkere Berücksichtigung von Datenschutzinteressen zeigen, um das Vertrauen der User zu gewinnen.

Fazit: Derzeit bestimmen neben einigen B2B-orientierten Platzhirschen vor allem Experimente die Szene.

Auch wenn die Angebote für Firmenkunden derzeit noch überwiegen, besteht insgesamt am üppigen Wachstum von SaaS kein Zweifel. Auch die Endanwender werden früher oder später mit SaaS in Kontakt kommen, denn Trend und Technikentwicklung befeuern sich in diesem Falle gegenseitig.

Wer sich also jetzt schon die frischen Angebote anschaut und Erfahrungen sammelt, kann sich einen wertvollen Wissensvorsprung herausarbeiten. Es bleibt spannend.

von Stephan Humer

Tags: saas , onlinedienste , cloud computing

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