Rafael Laguna: "Applikationen verlagern sich immer mehr in die Cloud"

Interview | 25.02.2010 | Michael Friedrichs | (0) Kommentare

Open-Xchange CEO Rafael Laguna
Open-Xchange CEO Rafael Laguna
Open-Xchange ist die erfolgreichste Linux-basierte E-Mail- und Groupware-Lösung und wird wird weltweit von über 15 Millionen Anwendern sowohl als Installationssoftware als auch Software-as-a-Service (SaaS) eingesetzt. Softmixx.de hat mit Rafael Laguna de la Vera, Mitgründer und seit 2008 CEO von Open-Xchange, gesprochen. Im Interview berichtet der IT-Manager von seinen Erfahrungen in der Branche und erklärt, warum browsergestützte Software-Lösungen und Dienste nicht nur für Unternehmen immer interessanter werden.

Was sind für Sie als Groupware-Anbieter die wichtigsten Trends?

Für uns sind zwei Trends relevant: Zum einen ist da die Verschiebung von selbst gemanagten Installationen zu Software-as-a-Service. Ich bin überzeugt, in den nächsten zehn Jahren wird der größte Teil der Applikationen von Privatanwendern und kleinen Unternehmen von den Desktops in die Cloud verlagert werden. Und zum anderen müssen wir für die rasant wachsende Akzeptanz von mobilen Applikationen im Geschäftsleben passende Lösungen bieten. Hier haben „Handcomputer“ wie zum Beispiel das iPhone in Verbindung mit der Verfügbarkeit von UMTS und WLAN in den letzten zwei Jahren einen riesigen neuen Markt entstehen lassen.

Welchen Einfluss hat die Wirtschaftskrise auf Ihr Geschäft?

In den IT-Abteilungen der Unternehmen hat die Wirtschaftskrise ja vor allem den Effekt, dass jetzt mit größerer Sorgfalt die Kosten der IT beleuchtet werden. Die Kosten sind das primäre Argument, das die Unternehmen jetzt zu SaaS- und Open Source-Lösungen wechseln lässt.

Seit wann sind Sie mit Ihrem SaaS-Angebot auf dem Markt?

Wir sind mit Open-Xchange Software-as-a-Service-Pionier. Wir haben 2006 unser Produkt komplett neu entwickelt, haben es für den Einsatz in Shared-Hosting-Umgebungen unter anderem multi-tenant- und multi-domain-fähig gemacht. Im Februar 2007 sind wir damit bei1&1 live gegangen. Im letzten Jahr konnten wir mit Versatel, die 1,3 Millionen Mailaccounts auf Open-Xchange umgestellt haben, einen weiteren Großkunden in Deutschland gewinnen.

Was entgegnen Sie den Skeptikern, die um die Sicherheit Ihrer Daten in der Cloud fürchten?

Wir überlassen den Anwendern selbst die Entscheidung, ob sie ihre E-Mail und Groupware im eigenen Gebäude oder im Rechenzentrum managen wollen – oder ob sie die Kostenvorteile eines Dienstleisters nutzen wollen. Nur so können die Bedenken hinsichtlich Sicherheit und neuer Abhängigkeiten von SaaS ausgeräumt werden. Alle Open-Xchange-Produkte basieren auf einem identischen Quellcode - was übrigens einmalig in der gesamten Software-Industrie ist. Dadurch haben die Kunden jederzeit die Möglichkeit, ohne Migrationsaufwand von einer selbst administrierten Lösung mit eigenem Server auf eine SaaS-Lösung zu wechseln – und umgekehrt. Und natürlich können SaaS-Nutzer von Open-Xchange auch eine lokale Sicherungskopie ihrer unternehmenskritischen Daten anfertigen.

Worauf sollte man als Anwender achten, wenn man seine geschäftliche Kommunikation einem einem Internet-Dienst anvertraut?

Das „Kleingedruckte“, die sogenannten Service Level Agreements, machen hier den Unterschied. Sie regeln die garantierte Verfügbarkeit und die finanziellen Konsequenzen für den Fall, dass die zugesagten Leistungen vom Dienstleister nicht erbracht werden.
Darüber hinaus sollten sich die Anwender Gedanken machen, ob und wie sie von einem Internet-Dienst „wieder weg kommen“ für den Fall, dass sie mit dem Service nicht zufrieden sind. Und Sie sollten jederzeit die Möglichkeit haben, all Ihre Daten in einem offenen Standardformat zu exportieren und in eine Applikation Ihrer Wahl zu importieren.

Sind die Erfolgschancen von Cloud Computing durch einzelne Datenskandale gefährdet?

Nein, keineswegs. Dazu sind die Vorteile einfach zu überzeugend: Die Anwender brauchen weder in Hardware noch in Know-how für die Installation und Pflege der Software investieren. Und die Applikationen sind dank Internet jederzeit und auf jedem Endgerät verfügbar. iPhone und UMTS haben für die Akzeptanz von Webapplikationen nahezu ebenso viel beigetragen wie die Verfügbarkeit von breitbandiger Internetanbindung. Ich bin überzeugt, in den nächsten zehn Jahren wird der größte Teil der Applikationen von Privatanwendern und kleinen Unternehmen von den Desktops in die Cloud verlagert werden.

Open-Xchange erlaubt seit einiger Zeit auch, private und geschäftliche Kommunikation in einer Anwendung zu verwalten. Warum ist das sinnvoll?

Die Trennung von Berufs- und Privatleben ist für immer weniger Menschen möglich, nötig oder gewollt. Für Menschen, die digital kommunizieren und ihr Berufs- und Privatleben mit dem Rechner organisieren, ist es schlichtweg praktischer und effizienter, dies in einer zentralen Applikation zu tun. Open-Xchange integriert mir die Kontaktdaten der geschäftlichen Netzwerke wie Xing und LinkedIn ebenso wie meine privaten Mail-Accounts bei GMX oder Web.de. Und wenn ich einen Elternabend in der Schule habe (den meine Frau in meinen privaten Open-Xchange-Kalender einträgt), dann bin ich zu diesem Zeitpunkt für meine Kollegen, die auf meinen geschäftlichen Kalender Zugriff haben, eben auch mal für geschäftliche Termine nicht verfügbar. Open-Xchange verbindet die bislang voneinander isolierten Desktop- und Web-Applikationen und bietet einen zentrale Anwendung, mit der wir unsere unterschiedlichen Kontaktdaten, Kalender, Aufgaben und Dokumente organisieren können.

Vor Jahren noch beklagten viele Mitarbeiter den Informationsüberfluss durch die Vielzahl der täglichen E-Mails. Jetzt sind durch Dienste wie Twitter oder soziale Netzwerke noch mehr Informationen hinzugekommen? Wie geht man damit um?

Die größte Gefahr im Umgang mit den vielfältigen Informationsquellen ist doch, dass sich die Anwender in der Informationsflut „verzetteln“. Vollständig entschärfen kann Open-Xchange dieses Risiko natürlich nicht – ebenso wenig wie eine Programmzeitschrift vor übermäßigem Fernsehkonsum schützt. Zumindest aber erspart Open-Xchange den Anwendern das „zappen“ in die verschiedenen Applikationen, um an E-Mails, Kalenderinformationen oder Kontaktdaten zu kommen. Und Open-Xchange übernimmt die automatische Konsolidierung von Kontakt- und Kalenderdaten aus den verschiedenen Applikationen, was dem Information Worker einen Menge „Handarbeit“ erspart.

Vielen Dank für das Interview.

Tags: open-xchange , internetview , saas

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