Infrastruktur & Technik | 06.05.2010 | alex@softmixx | (1) Kommentare

Ähnlich einem PC-Betriebssystem wie Windows7 stellt Windows Azure eine Basisumgebung bereit, auf der Anwendungen installiert und genutzt werden. Das System wird jedoch nicht mehr auf einzelnen Rechnern installiert, sondern in Rechenzentren von Microsoft den Nutzern zur Verfügung gestellt. Der Zugang zu dieser Umgebung erfolgt über einen Internetbrowser.
Zunächst hat eine zentrale Arbeitsumgebung im Internet viele Vorteile. Man muß nur mal hochrechnen, wie viel Konfigurations- und Wartungsaufwand die Betriebsysteme jedes einzelnen PCs aktuell immer noch verursachen, gerade in Unternehmen. Vieles davon würde mit dem Einsatz von Windows Azure entfallen. Das zentrale Management der Plattform erfolgt direkt durch Microsoft und die eigene Arbeitsumgebung ist nicht mehr an einen Rechner gebunden.
Einen PC auszutauschen? Anderer Standort, anderer Rechner? Einfach den PC oder das Notebook einschalten und schon kann in der gewohnten Umgebung weitergearbeitet werden. Softwareinstallation und -pflege am Arbeitsplatz entfällt - Hurra!
Das gilt natürlich nicht nur für Windows Azure, sondern auch für alle anderen PaaS Anbieter. Im direkten Wettbewerb steht Windows Azure derzeit vor allem mit Google Apps und den Amazon Webservices. Und so ganz in Richtung Internet vollzieht Microsoft den Produktwechsel zumindest im Moment noch nicht. So beinhaltet Windows Azure auch einen Synchronisationsdienst für den Austausch mit lokalen Daten und Dateien. Da stellt sich dann natürlich auch gleich die Frage wie betriebssystemunabhängig können die Arbeitsplatzrechner (Client) sein, wenn mit Windows Azure Services gearbeitet wird.
Microsoft verspricht nachvollziehbare Preise für den Cloud Dienst. Die Berechnung basiert auf der tatsächlichen Nutzung des Systems. Abgerechnet wird nach Bandbreite und Rechenleistung, die ein Unternehmen in Anspruch nimmt. Und hier sind wir auch schon bei der Zielgruppe für diese Infrastuktur. In Betracht ziehen werden den Einsatz von Windows Azure als Unternehmensinfrastruktur nur mittelständische und große Unternehmen, die damit je nach Nutzungsumfang durchaus erhebliche Kosteneinsparungen erzielen können.
Mit dem Wegfall von Wartungs- und Pflegeaufwand in vielen Bereichen der eigenen Rechnerlandschaft und Einsparungen bei der Softwarelizenzierung kann Windows Azure eine Alternative zum klassischen IT-Outsourcing sein.
Für kleine Unternehmen dagegen empfiehlt sich eher die Verwendung der Microsoft Live Dienste und Microsoft Online Services oder die Nutzung von Software-as-a-Service (SaaS) Angeboten eines Softwareherstellers auf Basis von Windows Azure.
Windows Azure gibt es offiziell seit 1. Februar 2010. Es handelt sich also noch um ein sehr "junges" Angebot. Erfahrungen zur Nutzung müssen erst noch gesammelt werden, sowohl auf der Hersteller- wie auf der Anwenderseite. Bestehende Software kann nicht einfach zu Windows Azure übertragen und genutzt werden. Eine Software für diese Cloud Umgebung muß neu programmiert werden.
Microsoft bietet Windows Azure mit einigen hauseigenen Services an, dazu gehört die "Microsoft Azure SQL-Datenbank", den Synchronisation-Service "Microsoft SQL Azure Data Sync CTP" für den Datenaustausch mit lokalen Rechnern und der sogenannten "Windows Azure Platform AppFabric CTP" mit Komponenten für die Softwareentwicklung auf Azure Basis.

Weiters gibt es Schnittstellen zu den Microsoft Live Diensten und Microsoft Online Services, mit der die Office Lösungen Exchange, Sharepoint und Webmeeting online angeboten werden.
Zur Auswahl von Softwareangeboten für Windows Azure wird auf Microsoft Pinpoint verlinkt, dem Partnerportal für Drittanbieter und Servicedienstleister für Microsoft Produkte. Die Auswahl hält sich noch sehr in Grenzen, nachdem der Auswahlfilter für Anwendungen auf Windows Azure gesetzt wird, erscheinen gerade mal 3 Anwendungen von externen Softwareherstellern für den deutschsprachigen Raum, auf der amerikanischen Seite immerhin schon 39.
Aus diesem Grund richtet sich Microsoft derzeit vor allem an Softwarehersteller, um die Cloud Plattform populär zu machen und schnell ein größere Auswahl an Anwendungen bereitstellen zu können. Ob das dann auch bei den Endanwendern gelingt, wird nicht zuletzt darin liegen ob Microsoft die typischen Bedenken hinsichtlich der SaaS Nutzung ausräumen kann. Der Betrieb von Rechenzentren in Deutschland wird hier ebenso dazu gehören wie flexible Service Level Agreements.
Etwas kurios ist das Preismodell der Softwarepartner in dem Marktplatz. So werden häufig Preise je Arbeitsplatz oder ein scheinbar fixer Lizenzpreis angegeben. Das paßt nun ganz und gar nicht zur Technologie, bei der Rechnerunabhängigkeit und flexible Nutzung ein entscheidendes Argument sind.
Die für Windows Azure verfügbare Software wird sicherlich schnell anwachsen, das Interesse an dieser Plattform bei Softwareherstellern ist riesig. Viele Anwender werden künftig aber auch gar merken dass sie Windows Azure nutzen, wenn Sie einen Webdienst von einem Serviceanbieter verwenden, der eine eigene Windows Azure Umgebung bei Microsoft betreibt.
Bleibt zu hoffen, dass Microsoft diese Strategie auch nachhaltig verfolgt. Schließlich wird damit das derzeitige Geschäftmodell, Lizenzverkauf von lokal zu installierenden Softwarepaketen, mehr oder weniger abgelöst.
Die Preisgestaltung muß noch flexibler und transparenter werden. Eine Flatrate ähnlich der bei Hosting Providern fehlt ebenso noch wie Mechanismen für einfaches, temporäres (De)Aktivieren von Anwendungen, Serverresourcen oder Nutzern.
Wird Windows Azure ein Erfolg fehlt nur noch ein schlankes Client-Betriebssystem, das in 2 Sekunden startet und den Rechner mit Öffnen des Browsers - darf dann auch Internet Explorer heißen ;-) einsatzbereit macht.
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alex@softmixx
meint am 06.05.2010 21:44:21 |
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